Tag des offenen Denkmals 2021
"Sein & Schein" – Unter diese Überschrift hat die Deutsche Stiftung Denkmalschutz den diesjährigen Tag des offenen Denkmals gestellt.
In den Gebäuden der Regierung von Oberfranken kann man eine fast 400-jährige Verwaltungstradition entdecken. Der gesamte Komplex verbindet drei Epochen – die hochfürstliche Canzley des Markgraftums Brandenburg Kulmbach-Bayreuth, den Präsidentenbau des Königreichs Bayern und das neugestaltete Hochhaus, das gleichsam für das digitale Zeitalter der Regierung von Oberfranken steht.
Die Gebäude aus der Zeit des 30-jährigen Kriegs bis heute sind nun Kompetenzzentrum und Dienstleister für die Region.
Historismus – Schein vor Sein
Jedes neue Bauwerk entsteht zunächst aus einem Bedürfnis vor Ort. Welche Ausformung es erhält, ist aber immer eingebunden in die jeweilige Zeit, in den Zeitgeist, die "aktuelle Mode".
Der Präsidialbau der Regierung von Oberfranken ist Ausdruck einer bermerksenwerten Zeit. Die Zeit um 1900 ist eine Zeit des Umbruchs in Kunst und Architektur, wodurch sich so manches Mal ein interessantes Spannungsfeld zwischen Historismus und Jugendstil ergab. So ist die Sandstein-Fassade des Präsidialbaus noch dem Historismus verhaftet, weist aber zugleich deutliche Formen und Züge des Jugendstils auf.
Im Historismus imitierte man demnach Formen und Bauvorlagen der Vergangenheit. So zieren den Präsidialbau neobarocke Elemente, die eine gelungene Verbindung über den Platz hinweg zum gegenüberliegenden Neuen Schloss darstellen. Zugleich ist der Einfluss des Jugendstils – beispielsweise in den als Gesimskonsolen ausgebildeten Häuptern – bereits deutlich erkennbar.
Jugendstil – Sein statt Schein
Auch wenn jedes Gebäude ein Unikat darstellt, so lassen sich besonders in der Gestaltung Verbindungen in andere Städte, in andere Länder aufbauen. Für wohl kaum eine Stilrichtung ist das so kennzeichnend und zugleich vielfältig wie beim Jugendstil.
Nahezu jedes Land hat für das, was wir unter Jugendstil verstehen, einen eigenen Begriff: in Frankreich "Art nouveau", in Österreich "Sezessionsstil", in England "Modern Style".
Was ist das Verbindende? Vor allem die Kritik am Überlieferten, dem Historismus, und die Begeisterung für neue Formen, das Individuelle, das Handwerkliche und Dekorative. Die bloße "Nachahmerei" verganender Stile erschien unwahrhaftig, man strebte nach Aufbruch, nach Erneuerung.
Sucht man nach wichtigen Zeugnissen dieser Epoche, mag der Blick zunächst in die großen europäischen Metropolen gehen: nach Paris, nach Wien, nach Barcelona, auch nach München. Von dort strahlte die Bewegung innerhalb kürzester Zeit in die sogenannte "Provinz" und auf ganz besondere Weise nach Bayreuth.
Neben dem Justizpalast, dem heutigen Landgericht, ist der Präsidialbau der Regierung von Oberfranken das zweite wirklich große, ja großartige Zeugnis des gebauten Jugendstils in Bayreuth.